Pressemitteilung der Fachgruppe Kommunaler Klimaschutz von Scientists for Future
Der boomende Zubau von großen Rechenzentren mit ihrem immensen Strombedarf kann die Wärmewende in Deutschland gefährden. Das befürchten Experten der Fachgruppe Kommunaler Klimaschutz von Scientists for Future. Die Wissenschaftler rechnen vor, dass der Bedarf an Raumwärme und Warmwasser für 1/3 des gesamten Energiebedarfs in Deutschland verantwortlich ist. Die dringend notwendige Dekarbonisierung der Wärmeversorgung hängt aber vollständig von dem Ersatz fossiler Brennstoffe durch Umwelt- und Abwärme ab, die mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen verfügbar gemacht werden. Der sich addierende Strombedarf für den Rechenzentren-Boom und die Wärmepumpen und die gesamte Energiewende bringt den laufenden Ausbau der Stromnetze massiv unter Druck. Hieraus resultiert gleichzeitig eine Stromkonkurrenz zwischen IT- und Wärme-Infrastruktur, die sich wegen der dynamischen Entwicklung weiter zu verschärfen droht.
Große Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von über 100 Megawatt (MW) bis zu 1000 MW sind an vielen Orten in Deutschland im Bau oder in Planung. Die Rechenzentrumskapazitäten sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2030 mindestens verdoppelt und für HighPerformance-Computing (HPC) und Künstliche Intelligenz (KI) mindestens vervierfacht werden [1]. Laut dem in 2026 veröffentlichten aktualisierten Szenariorahmen der Bundesnetzagentur kann sich der Strombedarf von Rechenzentren von heute circa 21 TWh/a bis 2045 auf 100 TWh/a bis 140 TWh/a erhöhen [2].
Gleichzeitig kann die Nutzung von Umwelt- und Abwärme für die zukünftige Wärmeversorgung nur mithilfe von strombetriebenen Wärmepumpen erreicht werden. Scientists for Future setzt sich daher bei Stromengpässen für eine vorrangige Zuteilung von Stromanschlusskapazitäten für Wärmepumpen ein. „Insbesondere Großwärmepumpen für Fern- und Nahwärmenetze müssten umgehend geplant und deren Strombedarf bei den Netzbetreibern angemeldet werden“ mahnt Dr. Thomas Seifert von Scientists for Future.
Bislang haben aber erst einzelne Verteilnetzbetreiber Priorisierungsverfahren, die den Strombedarf der Wärmewende ausreichend berücksichtigen. Solche Priorisierungsverfahren sollten bundesweit – auch für Übertragungsnetzbetreiber – eingeführt werden. Die Wissenschaftler raten außerdem nachdrücklich, keine Gaskraftwerke zur Stromversorgung von Rechenzentren zu nutzen.
Die ökologische Energiewende ist von essentieller Bedeutung für das langfristige Wohlergehen der Menschen, der Natur und der Wirtschaft. „Im Fall von Stromengpässen sollte sie Vorrang zu anderen, kurzfristigeren wirtschaftlichen Zielen, wie z. B. dem Zubau von Rechenzentren haben,“ resümiert Dr. Thomas Seifert.
Die vollständige Stellungnahme können Sie unter folgendem Link einsehen: https://de.scientists4future.org/fg-kommunaler-klimaschutz/
[1] BMDS (2026) Rechenzentrumsstrategie: https://bmds.bund.de/fileadmin/BMDS/Dokumente/Publikationen/260312_BMDS_Template-RZ-Strategie_V2_barrierefrei_final.pdf
[2] Bundesnetzagentur (2026); Szenariorahmen zum Netzentwicklungsplan Strom 2040/2045: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/NEP/DL_Szenariorahmen/2027/SR_Entwurf2027Strom.pdf?__blob=publicationFile&v=2
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