Die Klimabahn

Der Klimawandel nimmt Fahrt auf

Unsere Verantwortung

+1,5° +2° +3°
Wo ist Endstation?

Klimastreifen mit Jahresangaben

Gestalterische und Konzeptionelle Unterstützung: http://www.oblik.de/

Außen

Eine Straßenbahn, illustriert mit „Warming Stripes“ und einer klaren Message fährt ab 2. November 2021 für zwei Jahre im normalen Liniendienst durch Bremen und hält das Thema „Klimawandel“ im öffentlichen Straßenbild präsent.

Innen

Durch permanente Installationen (Fahrgastfernsehen, Flyer, Hänger) werden Mitfahrende durch Wissenschaftler:innen über verschiedene Aspekte des Klimawandels informiert. Regelmäßige Veranstaltungen, wie Vorträge oder Diskussionen während des laufenden Bahnbetriebs, generieren zusätzliche Aufmerksamkeit und ermöglichen direkten Wissenstransfer. Wir zeigen und diskutieren gesellschaftliche Ansätze und Lösungen, um die Herausforderung des Klimaschutzes als Chance für eine nachhaltigere Gesellschaft zu nutzen.

Unsere nächste Veranstaltungen „Bremer Klimabahnvorträge“ findet im September statt. Bleib dran für das genaue Datum!! Die kostenlose Anmeldung wird wieder unter: https://scientists4future-bremen.ticket.io/ laufen.

Die Klimakrise hat viele Facetten. Auf Sonderfahrten mit der Klimabahn durch Bremen wollen wir den Dialog über diese Komplexität stärken. Die Rundfahrten beginnen an der Haltestelle BSAG-Zentrum (Neustadt) und dauern ca. 45 min. Während den Fahrten gibt es Vorträge mit Diskussion von Wissenschaftler:innen zu verschiedenen Aspekten des Klimawandels. Es gibt auch besondere Fahrten extra für Kinder.

Das Programm der Sonderfahrten (bitte ausklappen)

10 Uhr Dr. Henry Wu

Meereswissenschaftler, ZMT: Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

Zeugen der Klimakrise tropische Korallen und ihre Skelette

Steinkorallen können Hunderte Jahre alt werden. Sie wachsen zwischen einigen Millimetern und mehreren Zentimetern pro Jahr und bilden wie Bäume Wachstumsringe. Als sesshafte Tiere sind Korallen Veränderungen des Meerwassers ausgesetzt, z.B. Schwankungen der Temperatur, des Salzgehaltes und des pH-Wertes. Während sie wachsen speichert die Zusammensetzung ihres Kalkskeletts diese Änderungen der Umweltbedingungen und erlaubt Einblicke in vergangene Zeiten.
So können Forscher des ZMT anhand von Korallen-Bohrkernen klimatische und ozeanische Prozesse wie die Ozeanversauerung, die Schwankungen der Meerestemperatur und des Meeresspiegels in der Vergangenheit untersuchen. Das Verständnis dieser Veränderungen hilft, Prognosen für die Zukunft zu machen.

11 Uhr Dr. Stefanie Arndt

Meeresphysikerin, AWI: Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Expedition ins Südpolarmeer: Wie wir das antarktische Meereis erforschen – und damit die Suche des Schiffswracks der „Endurance“ unterstützt haben

Während sich in der Arktis das Meereis immer weiter zurück zieht, weist das antarktische Meereis keinen Trend dieser Art auf. Aber warum ist das so und wie verändert sich diese Entwicklung womöglich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten? In ihrem Vortrag gibt Dr. Stefanie Arndt, Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, Einblicke in ihre letzte Antarktis-Expedition, die sie und ihre Kollegen im Februar/März diesen Jahres einmal mehr ins Weddellmeer geführt hat um genau diese Fragen zu beantworten. Dabei ging es jedoch nicht nur um die Erforschung des gefrorenen Südozeans – sondern vor allem um die Suche des legendären Schiffswracks der „Endurance“, die vor über 100 Jahren hier gesunken ist. Über den Erfolg der Mission und was wir daraus über unser Klima und die Gesellschaft lernen können berichtet Stefanie Arndt in der Klimabahn.

12 Uhr Dr. Gerd Kraus

Biologe, Direktor des Thünen-Instituts für Seefischerei

Klimawandel in Nord- und Ostsee – Sind unsere Fischbestände in Gefahr?

Der Wandel des globalen Klimas hat sich in den letzten Jahrzehnten stark beschleunigt. Die Ozeane nehmen eine zentrale Rolle als Klimapuffer ein und sind gleichzeitig schon heute massiv von den Folgen des Klimawandels betroffen. Der Klimawandel im Meer zeigt sich z.B. über einen signifikanten Anstieg der Wassertemperaturen, zunehmende Ozeanversauerung, schmelzende Eisschilde in den Polarregionen und Anstieg des Meeresspiegels oder auch Änderungen in den globalen Meeresströmungen. Alles zusammen ändert die Stoffkreisläufe und die Biologie der Meere drastisch und wirkt sich auf Biodiversität und die Produktivität der lebenden Ressourcen aus. In den letzten 20 Jahren sind die mittleren Temperaturen im Nordatlantik und der angrenzenden Nord- und Ostsee signifikant gestiegen. Die Wintertemperaturen in der nördlichen Nordsee haben sich z.B. um mehr als 1°C erhöht, die der südlichen Deutschen Bucht um bis zu 2-3°C. Die Auswirkungen dieser Änderungen wirken sich schon heute massiv auf die Nahrungsnetze und die Fischbestände in diesen Regionen aus. Kaltadaptierte Arten weichen wo immer möglich nach Norden aus, Arten aus dem Süden folgen nach, ganze Artenspektren verschieben sich. Phänologische Änderungen führen zudem zu Entkopplungen von Planktonblüten und Nachwuchszyklen der Fische, Räuber und Beute interagieren nicht mehr in gewohnter Weise – alles mit gravierenden Konsequenzen für die Fischbestände, ihrem Schutzbedürfnis und ihrer Nutzbarkeit. Im Vortrag präsentiere ich anhand von Langzeitbeobachtungsdaten verschiedene Beispiele, wie sich schon heute die Fischbestände in Nordatlantik sowie Nord- und Ostsee massiv verändert haben und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme und die Nutzbarkeit der Ressourcen hat.

14 Uhr Drs. Rebecca Borges und Gema Martínez Méndez

Meereswissenschaftlerinnen, HIFMB: Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität

Lesung für Kinder (6-10 Jahre alt): Plumi und der Schokoladenfluss (von Camila Neder)

Es war einmal eine Seefeder namens Malacobelemnon daytoni. Ihre Freunde nannten sie Plumi. Habt ihr schon mal von Seefedern gehört? Das sind koloniebildende marine Weichkorallen. MOOOMENT MAL! Schalt mal ’nen Gang runter! Das geht etwas zu schnell! Keine Sorge, während des Fahrts wird es langsam gehen und wir werden erfahren, was die Erderhitzung für die Seefeder bedeutet.

15 Uhr Dr. Andrea Lilge-Hartmann

Psychoanalytikerin – Psycholog. Psychotherapeutin, Psychologits for Future

Raus aus der „Klima-Aufschieberitis“

Der Vortrag bietet Einblick in das, was Psychologie und Psychotherapie im Kampf gegen die globale Neurose der Klimakrise beizutragen haben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse geben sehr genau vor, was dringend getan werden muss, um den Klimakollaps abzuwenden, aber es passiert viel zu wenig und zu langsam. Wie wir mit dem Wissen um die Klimakatastrophe umgehen und ob und wie wir ins Handeln kommen, liegt weniger an einem Informationsdefizit über die Krise und deren Gefahren, sondern daran, wie wir psychisch auf diese bedrohlichen Informationen reagieren. Daraus ergeben sich Fragen wie die folgende:

  • Was hält uns ab davon, zu handeln und die Dringlichkeit der Lage an uns heranzulassen? 
  • Wie können wir als Individuen und Gesellschaft die gefährliche „Klima-Prokrastination“ überwinden?
  • Warum leiden nicht viel mehr Leute unter der Angst vor den Folgen des Klimawandels?
  • Wie kommen wir aus der trügerischen Ruhe heraus, ohne in lähmende Panik zu verfallen? 
  • Wieso wird Klimaschutz mit Verzicht und Bevormundung assoziiert und nicht als sinnstiftende gemeinschaftliche Rettungsaktion erlebt? 
  • Führt der Blick auf das (Nicht-)Handeln der Individuen zu einer Individualisierung der Klimakrise?

16 Uhr Dr. Christina West

Wissenschaftlerin-Zukunftsorientierte Stadtentwicklung, DELTA – Reallabor der Energiewende, Leitung Energie-Akademie, University of Applied Sciences Darmstadt |  Hochschule Darmstadt

Die Transversale Stadt – Möglichkeitsräume für die Stadt von morgen erkennen – Energiewende und Klimawandel neu denken und zukunftsorientiert gestalten!

Städte und Kommunen sind mit ihren Akteur:innen und Bewohner:innen die zentralen Orte nachhaltiger, zukunftsorientierter Entwicklung. Im Jahr 2020 lebten rund 77,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands in Städten und verstädterten Regionen (statista 2022). Damit sind Städte auch Hotspots u.a. für energiebezogene CO2-Emissionen, von Energie- und Flächenverbrauch, von Hitzeinseln und Ungleichheiten, mit der unleugbaren Folge: Unser Habitat ist in Gefahr! Wie aber lässt sich zielgerichtet und umsetzungsorientiert eine generationengerechte, also gemeinwohlorientierte, partnerschaftliche und resiliente Stadtentwicklung umsetzen, die nicht an Komplexitätsreduktion scheitert?

Im Vortrag wird deshalb grundlegenden Fragen nachgegangen: Welche Möglichkeitsräume für die generationengerechte Stadt werden bisher in Diskussion, Planung und Umsetzung systematisch übersehen? Wie lassen sich Möglichkeitsräume für die zukunftsorientierte, nachhaltige Stadt von morgen schon heute denken und gestalten? Brauchen wir mehr Experimentierräume für Klimaschutz und Klimaanpassung? Brauchen wir mehr Utopien und Transtopien? Wie kommen wir in die Umsetzung? Ebenso wie die tagesaktuellen und drängenden Fragen zur Zukunft der Energiewende:  Wieviel Energie wollen wir verbrauchen?

Zudem werden an Hand des Konzepts der „Transversalen Stadt und Transtopia“ (u.a. West 2019; 2021) Hemmnisse und Wirkmöglichkeiten for Future in Städten und Kommunen skizziert und Gestaltungsmöglichkeiten für die komplexen Herausforderungen und Chancen entziffert. Wie lassen sich transformative Prozesse in Gang setzen? Anhand der Erfahrungen und Prozesse aus verschiedenen urbanen Reallaboren der Transformationsforschung, wie z.B. der Energie-Akademie in „DELTA“, einem vom BMWK geförderten Reallabor der Energiewende, wird deutlich, dass technische Innovation und neue Formen der Prozessgestaltung und des Experimentierens transversal „mit allen Akteur:innen“ intergiert werden müssen.


Diesen Klimabahn-Flyer finden Sie in der Tram.

Abbildung Temperaturanomalie (°C)

Jeremy D. Shakun, Peter U. Clark, Feng He, Shaun A. Marcott, Alan C. Mix, Zhengyu Liu, Bette Otto-Bliesner, Andreas Schmittner & Edouard Bard (2012) Global warming preceded by increasing carbon dioxide concentrations during the last deglaciation. Nature 484, 49–54, doi: 10.1038/nature10915.

Die Daten können hier runtergeladen werden:

https://www.nature.com/articles/nature10915/#Sec14

Shaun A. Marcott, Jeremy D. Shakun, Peter U. Clark, Alan C. Mix (2013) A Reconstruction of Regional and Global Temperature for the Past 11,300 Years. Science, Vol. 339, Issue 6124, pp. 1198-1201 (2013), doi: 10.1126/science.1228026. Die Daten können hier runtergeladen werden:

https://www.science.org/lookup/doi/10.1126/science.1228026

Colin P. Morice, John J. Kennedy, Nick A. Rayner, & Phil D. Jones (2012), Quantifying uncertainties in global and regional temperature change using an ensemble of observational estimates: The HadCRUT4 dataset. Journal of Geophysical Research, 117, D08101, doi:10.1029/2011JD017187. Die aktualisierte Daten (bis 2020) können hier runtergeladen werden:

https://www.metoffice.gov.uk/hadobs/hadcrut4/data/current/download.html

Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland – Relief, Boden und Wasser (2003), Leibniz-Institut für Länderkunde (Herausgeber), Herbert Liedtke (Mitherausgeber), Roland Mäusbacher (Mitherausgeber), Karl-Heinz Schmidt (Mitherausgeber). http://archiv.nationalatlas.de/?page_id=28550

Abbildung Folgen der Klimakrise

Adrian E. Raftery, Alec Zimmer, Dargan M. W. Frierson3, Richard Startz & Peiran Liu (2017), Less than 2 °C warming by 2100 unlikely. Nature Climate Change, 7(9): 637-641. doi: 10.1038/NCLIMATE3352. Graphik von https://blog.datawrapper.de/climate-crisis-global-warming/


Das Projekt sucht noch institutionelle Unterstützer:innen – melden Sie sich für weitere Informationen gern.
Kontakt: Prof. Dr. Nils Moosdorf

Direkt spenden

Um die Klimabahn zu realisieren, wurden 16.000,- € aus Spenden gewonnen. Vielen Dank an alle Spender:innen! Das ist nicht das Ende vom Lied. Wir möchten viele Veranstaltungen in der Klimabahn durführen, wie zum Beispiel die kommenden Vorträge am 11.06.2022. Damit brauchen wir auch Geld. Wir freuen uns auf weiteren Spenden, damit wir weitere Veranstaltungen durchführen können.

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