Finale Stellungnahme – Eingabe bei der Europäischen Union
Die Fachgruppe Rohstoffe von Scientists for Future begrüßt die Einrichtung eines Europäischen Zentrums für kritische Rohstoffe. Das Zentrum sollte nicht nur als Instrument für Beschaffung und Bevorratung ausgestaltet werden, sondern als europäische Kompetenzplattform für Rohstoffwissen, Geowissenschaften, Exploration, Markttransparenz, Genehmigungskapazitäten und gesellschaftliche Akzeptanz. Die vier von der Kommission identifizierten Handlungsfelder Investitionen, Beschaffung, Bevorratung und Marktinformationen werden ausdrücklich unterstützt.
Bezug auf das Konsultationspapier
Die Europäische Kommission benennt als Kernprobleme ein unzureichendes Risiko- und Finanzierungsprofil strategischer Rohstoffprojekte, die geringe Marktmacht europäischer Käufer, die begrenzte Fähigkeit zur Bewältigung von Lieferunterbrechungen sowie Defizite bei Marktinformationen. Diese Analyse wird von der Fachgruppe geteilt. Ergänzend sehen wir Defizite bei geologischen Daten, behördlichen Kapazitäten, Fachkräften und gesellschaftlicher Akzeptanz.
CRMA, Net-Zero Industry Act und RESourceEU
Die Ziele des Critical Raw Materials Act, des Net-Zero Industry Act und des Aktionsplans RESourceEU können nur erreicht werden, wenn Exploration, Gewinnung, Verarbeitung, Recycling und Fachkräfteentwicklung gemeinsam betrachtet werden. Europa benötigt belastbare Lieferketten und gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung heimischer Ressourcen.
- Investitionen und Finanzierung
Empfohlen werden europäische Rohstofffonds, Risikoabsicherungen, Beteiligungskapital, strategische Offtake-Agreements und Förderprogramme für Exploration, Verarbeitung und Recycling. Nationale Explorationsprogramme sollten als strategische Infrastruktur behandelt werden. Investitionen in geologische Kartierung und Datenerhebung haben hohe volkswirtschaftliche Hebelwirkungen. - Gemeinsame Beschaffung
Das Zentrum sollte Nachfrage bündeln und Transparenz erhöhen. Bestehende Rohstoffhändler und Industriepartner verfügen bereits über internationale Netzwerke und sollten eingebunden werden. Das Zentrum sollte koordinieren, Risiken bewerten und insbesondere KMU unterstützen. - Strategische Bevorratung
Empfohlen wird ein hybrides Modell aus europäischen Notfallreserven und dezentralen Unternehmensbeständen. Vorrangig erscheinen Seltene Erden, Wolfram, Gallium, Germanium und Magnesium. Die Vorräte sollten regelmäßig anhand geopolitischer und technologischer Entwicklungen überprüft werden. - Europäische Rohstoffintelligenz
Das Zentrum sollte ein europäisches Raw Materials Intelligence System etablieren. Notwendig sind Echtzeitinformationen zu Explorationsprojekten, Rohstoffströmen, Verarbeitungskapazitäten, Recyclingpotenzialen, Preisentwicklungen und geopolitischen Risiken. Dies würde als Frühwarnsystem für Politik und Industrie dienen. - Cost of Non-Europe
Die derzeitige Fragmentierung von Genehmigungen, Datenstandards und Zuständigkeiten verursacht Verzögerungen, höhere Projektkosten und Investitionsunsicherheit. Europa verliert dadurch an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Regionen mit stärker integrierten Rohstoffstrategien. Eine Harmonisierung technischer Standards kann Investitionen erleichtern und Verfahren beschleunigen. - Untergrund-Governance nach EFG
Die Empfehlungen der European Federation of Geologists zeigen, dass der Untergrund als strategische Mehrfachressource betrachtet werden sollte. Kritische Rohstoffe, CCS, Geothermie, natürliche Wasserstoffvorkommen, Energiespeicherung und Grundwasser konkurrieren teilweise um dieselben geologischen Räume. Langfristig sollte die EU gemeinsame geologische Grundlagen und interoperable Verfahren etablieren. - One-Stop-Shop und Permitting Capacity Fund
Die Fachgruppe empfiehlt die Einführung digitaler One-Stop-Shop-Verfahren sowie eines europäischen Permitting Capacity Fund. Viele Verzögerungen entstehen nicht durch Umweltauflagen, sondern durch Personalmangel, fragmentierte Zuständigkeiten und fehlende technische Expertise. - Geologische Daten, Digitalisierung und KI
Alle neuen geowissenschaftlichen Daten sollten in interoperablen und maschinenlesbaren Formaten verfügbar sein. Die Integration in europäische Datenplattformen ermöglicht die Nutzung moderner Analysewerkzeuge und KI-gestützter Auswertungen. Die Geologie Europas muss als Dateninfrastruktur verstanden werden. - UNFC, PERC und Berichtsstandards
Die EU sollte UNFC, PERC und weitere etablierte Standards aktiv fördern. Einheitliche Berichtsstandards erhöhen Transparenz, Vergleichbarkeit und Investitionssicherheit. Sie verbessern zudem die Kommunikation zwischen Unternehmen, Behörden, Investoren und Öffentlichkeit. - Fachkräfte und Bildung
Der Mangel an Geowissenschaftlern und Rohstoffexperten ist ein strategisches Risiko. Die EU sollte Geowissenschaften stärker in Schulen sichtbar machen, Hochschulen fördern und europäische Weiterbildungsprogramme etablieren. Ohne qualifizierte Fachkräfte werden die Ziele des CRMA nur schwer erreichbar sein. - Social Licence to Operate
Viele Projekte scheitern nicht an Geologie oder Technik, sondern an fehlender Kommunikation und mangelndem Vertrauen. Transparenz, frühzeitige Beteiligung und wissenschaftsbasierte Kommunikation sollten integraler Bestandteil der europäischen Rohstoffpolitik sein. - EurGeol als Competent Person im Genehmigungsverfahren
Der Titel European Geologist (EurGeol) bietet ein europaweit anerkanntes System von Kompetenznachweis, Berufserfahrung und kontinuierlicher Weiterbildung. EurGeols können als unabhängige technische Sachverständige eingesetzt werden, um Explorationsberichte, Ressourcenabschätzungen, hydrogeologische Gutachten, Umweltgrundlagen, Monitoringprogramme und Risikobewertungen zu prüfen.
Praktische Einbindung von EurGeol
EurGeols könnten in einem europäischen Expertenpool organisiert werden. Behörden könnten auf diese Experten zur technischen Fachprüfung zurückgreifen, während die rechtliche Entscheidung vollständig bei den zuständigen Behörden verbleibt. Dies würde Verfahren beschleunigen, Qualität verbessern und Mitgliedstaaten mit begrenzten Kapazitäten unterstützen. EurGeols können darüber hinaus die Anwendung von UNFC und PERC begleiten sowie als unabhängige Gutachter für strategische Projekte fungieren.
Problem – Empfehlung – Nutzen für die EU
Problem: Fachkräftemangel. Empfehlung: Europäische Geowissenschaftsinitiative. Nutzen: Mehr Expertise. Problem: Langsame Genehmigungen. Empfehlung: One-Stop-Shop und Permitting Capacity Fund. Nutzen: Kürzere Verfahren. Problem: Fehlende Marktinformationen. Empfehlung: Rohstoffintelligenz. Nutzen: Bessere Entscheidungen. Problem: Akzeptanzdefizite. Empfehlung: Social Licence Programme. Nutzen: Höhere Investitionssicherheit. Problem: Fachgutachtermangel. Empfehlung: EurGeol-Expertenpool. Nutzen: Höhere Qualität und Nachvollziehbarkeit.
Konkrete Forderungen an DG GROW
Aufbau eines Europäischen Rohstoff- und Untergrundzentrums. 2. Einrichtung eines Permitting Capacity Fund. 3. Einführung eines European Raw Materials Intelligence System. 4. Unterstützung von One-Stop-Shop-Genehmigungen. 5. Anerkennung von EurGeol-Experten als qualifizierte technische Sachverständige. 6. Ausbau geologischer Dateninfrastrukturen. 7. Förderung von UNFC- und PERC-Kompetenzen. 8. Europäische Fachkräfteoffensive für Geowissenschaften. 9. Verankerung von Social Licence to Operate als strategisches Kriterium.
Fazit
Die Rohstoffresilienz Europas wird nicht allein durch gemeinsame Beschaffung oder Bevorratung erreicht. Erforderlich ist ein integrierter Ansatz, der Rohstoffpolitik, Geowissenschaften, Bildung, Datenmanagement, Genehmigungskapazitäten und gesellschaftliche Akzeptanz verbindet. Das Europäische Zentrum für kritische Rohstoffe sollte deshalb als strategische Plattform für Wissen, Daten, Kompetenzen und Kooperation ausgebaut werden. Die Fachgruppe Rohstoffe von Scientists for Future empfiehlt DG GROW, die Umsetzung des CRMA mit einer langfristigen europäischen Kompetenzstrategie zu verbinden. Die Einbindung qualifizierter EurGeol-Experten, moderne Dateninfrastrukturen, leistungsfähige Behörden sowie die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit können wesentlich dazu beitragen, Europas Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeitsziele gleichermaßen zu stärken.
Ideen zu einer Kollektiven Rohstoff Intelligenz gibt es auch bei uns unter www.k-r-i.de.
Für die Fachgruppe Rohstoffe der Scientists 4 Future
EurGeol Chris Masurenko