Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wächst der Druck, Hochschulen und Forschung stärker an militärischen, geo- und sicherheitspolitischen Zielen auszurichten. Damit stellt sich verstärkt die Frage, wie Wissenschaft ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung der Menschheit gerecht werden kann – auch im Bereich von Sicherheit und internationalen Beziehungen.
Angesichts wachsender Spannungen müssen die möglichen Folgen wissenschaftlicher Arbeit stärker reflektiert werden. Dazu gehören Dual-Use-Potenziale und Wissenssicherheit, aber auch Technikfolgenabschätzung und Friedensforschung. Hochschulen sollten dabei nicht einseitig einer Konfrontations- oder Sicherheitslogik folgen, sondern Grundlagen für eine langfristig tragfähige Friedenslogik entwickeln. Hierzu zählen internationale Kooperation, Diplomatie, Wissensaustausch, gemeinsame Sicherheit sowie die Bewältigung globaler Krisen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und sozialer Ungleichheit. Voraussetzung ist eine ausreichende öffentliche Finanzierung.
Eine stärkere Militarisierung der Hochschulen gefährdet diese Ziele. Sie kann zu mehr Geheimhaltung und Publikationsbeschränkungen, Einfluss militärischer Geldgeber auf Forschungsthemen sowie zu Selbstzensur und Einschränkungen des offenen wissenschaftlichen Diskurses führen. Auch Wissenschaftsfreiheit und internationale Kooperation können dadurch beeinträchtigt werden.
Umso wichtiger sind Verfahren zur ethischen Bewertung sicherheitsrelevanter Forschung, etwa durch Ethikkommissionen. Die Leopoldina und der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben dazu vor 10 Jahren konkrete Vorschläge gemacht, die bereits in der Umsetzung sind. Zivilklauseln, die Forschung auf friedliche Zwecke verpflichten, bieten eine wichtige Orientierung und sollten erhalten und weiterentwickelt werden. Zur Lösung der globalen Probleme ist eine offene internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft unabdingbar. Militärische Forschung sollte überwiegend außerhalb öffentlicher Universitäten stattfinden, während an Hochschulen dagegen Dual-Use-Risiken und möglicher militärischer Missbrauch offen untersucht und diskutiert werden müssen.
Die S4F Fachgruppe „Krieg, Sicherheit, Frieden“ hat diese Fragen und ihre Folgen für Wissenschaftsfreiheit, internationale Kooperation und offene Forschung im Policy Paper 2026-02 zusammengefasst.
Zur Diskussion ein lädt die aktuelle DESY-Seminarreihe zu Zivil- und Friedensklauseln.
Sibylle Brosius, S4F Fachgruppe Krieg, Sicherheit, Frieden