Am 18. April sind die FFF-Gruppen in vier deutschen Metropolen als breites Bündnis auf die Straße gegangen: In Berlin, Hamburg, Köln und München demonstrierten Tausende gegen die Klimapolitik der Bundesregierung. Eine Woche später, am 24. April, fand der Protest in ganz Deutschland statt. Ziel war: der Politik klarmachen, „dass Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit keine Nice-to-haves, sondern eine politische Pflicht sind“.







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In Berlin versammelten sich mehrere Hundert Teilnehmer:innen vor der CDU-Parteizentrale und präsentierten der Regierungspartei eine Rechnung mit den angenommenen Kosten der Energiepolitik seit dem Amtsantritt Reiches. Auf dem großen Kassenzettel standen unter anderem energiepolitische Fehlentscheidungen der Bundesregierung zulasten der Bürger wie der Import fossiler Energien, Subventionen für Gas, die Förderung neuer Gaskraftwerke, prognostizierte Klimaschäden und den drohenden Verlust von Hunderttausenden Arbeitsplätzen im Bereich der erneuerbaren Energien.
Sprecher:innen der Fridays for Future kritisierten vor allem die Politik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Sie warfen ihr eine problematische Zusammenarbeit mit der Gasindustrie vor und forderten ein „Ende dieser Lobbypolitik“.
Scientist Professor Eicke Weber benannte in seinem Redebeitrag die Gefahr der Klimakatastrophe derzeit als die größte Herausforderung der Menschheit, aber auch als große Chance für die Wirtschaft am Beispiel Chinas – heute Weltmeister in der Produktion von Photovoltaik, Wechselrichter, Batterie und Elektroautos. Die chinesische Regierung habe bereits 2006 mit dem 11. 5-Jahresplan die wirtschaftlichen Vorteile dieser Technologien erkannt und Photovoltaik als „key strategic importance of the Peoples Republic of China“ bezeichnet. Solarstrom sei mit 1 Cent pro Kilowattstunde die billigste Art, Strom zu erzeugen.
Reiches Pläne nannte er gefährlich und eine „gigantische Geldverschwendung“. Angesichts explodierender Kosten werde allen klar, erneuerbare Energien sind die Zukunft. In Deutschland, wo über 60 Prozent der Energie aus Sonne, Wind und Wasser kommen und über 100 Prozent unseres Strombedarfs decken, sei systemisch kein Platz mehr für Grundlastkraftwerke, die 24h durchlaufen müssen. In der Dunkelflaute im Winter könnten Biogaskraftwerken die nötige Flexibilität gewährleistet, gesteuert durch einen attraktiveren, flexiblen Einspeisetarif und ohne neue Gaskraftwerke zu bauen. Dies sei „Flexibilität, die funktiontiert, sich rechnet und 100 Prozent emissionsfrei ist“.Sein Plädoyer: „In Wirklichkeit ist die Enenrgiewende eine gigantische, großartige wirtschaftliche Chance“, Schluss mit verfehlter Poltik, „Energiewende jetzt“. Redebeitrag auf Instagram➚
Text: Katleen Decker (S4F Redaktion)
Klimaschutz statt Lobbyschmutz
Ein Plakat einer Demoteilnehmerin „Klimaschutz statt Lobbyschmutz“ hat zu recht die Vorgehensweise der Bundeswirtschaftsministerin auf den Punkt gebracht. Wer sich Argumente für seine Gaspolitik bei RWE & Co. abholt, begibt sich auf ganz dünnes Eis und muss sich über fehlende Akzeptanz nicht wundern. Das ist so, als würde man „den Frosch fragen, ob sein Dorfteich trockengelegt werden soll“! Frontbanner des Demozuges vom Gas-Aktionstag der FFF-Osnabrück mit der Aufschrift „Climate Justice Now“. Die Demo am 24.04., organisiert von den Fridays for Future Osnabrück, hat für die konsequente Fortsetzung der aufwachsenden Energie- und Wärmewende geworben. Kein Ausbremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien, insbesondere von Photovoltaik und Windrädern. Speicherung von Überschussstrom in Batteriegroßspeichern statt zusätzlichem Neubau von Gaskraftwerken. Keine Fortsetzung und Zementierung der Verwendung teurer, fossiler Energieträger aus dem Ausland – für 80 Milliarden Euro jährlich. Keine Abhängigkeit von Geopoltik, Despoten und Kriegstreibern. Klimaschutz jetzt und keine weiteren temperaturtreibenden CO2-Emissionen! Unterstützung und verstärkter Ausbau zur Gewinnung der faktisch preiswertesten Energie – Strom aus Wind und Sonne. weiterlesen➚
Das Highlight des Kundgebungsteil – mit wiederholtem Szenenapplaus – hat Carola mit ihrer eindrücklichen Rede, der besten an diesem Tag, geliefert – danke! Darin: Die derzeitige Energiepolitik aus dem Hause Katherina Reiche ist genauso „evidenzbefreit“, wie der Umgang mit Timmy, dem sterbenden Wal in der Ostsee. Carolas Rede hat es bis in die Berichterstattung der NOZ geschafft (Online-Version vom 24.04. mit vielen Bildern➚). Text: Wolfgang Schäfer, RG Osnabrück
„Energiewende retten – sozialen Klimaschutz sichern“ in Mainz
Auch in Mainz fand am 24.4., dem Gas-Aktionstag, eine von den FFF organisierte Versammlung statt – unter dem Motto „Energiewende retten – sozialen Klimaschutz sichern“. Es war aufgerufen worden, sich vor der Zentrale der SPD Rheinland-Pfalz zu versammeln. Eine Liste von Forderungen der FFF sollte dem Mainzer Bundestagsabgeordneten der SPD, Daniel Baldy, übergeben werden. Eine kleine aber lautstarke Gruppe von Klimaaktivisten aus verschiedenen Gruppierungen folgte dem Aufruf. Die Forderungen wurden begleitet von verschiedenen Bannern, z.B. einer Auflistung der Kosten des fossilen Kurses der Bundesregierung oder eine Darstellung der Entwicklung der Temperaturen seit 1850 (von den Parents for Future). Auch von der Regionalgruppe der S4F Mainz waren ein paar Vertreter:innen anwesend. Doris Vollmer, eine der Koordinator:innen der Regionalgruppe, ergriff spontan das Wort und beschrieb die Situation in Bezug auf den Neubau von Gaskraftwerken auf der Ingelheimer Aue. Die S4F hatten zu diesem Projekt eine Einwendung geschrieben, aber die üblicherweise folgende Erörterung war als nicht notwendig erachtet worden – mit der Begründung, dass die „erhobenen Einwendungen [..] hinreichend begründet und konkret“ seien. Wir wollen dennoch darauf hinarbeiten, dass eine Diskussion mit den relevanten Beteiligten doch noch stattfindet.


Beitrag und Bilder von Doris, Nadja und Roland, Regionalgruppe Mainz
Regensburg: Über 200 Demonstranten am Bismarckplatz fordern Energiewende
Das berichtet die Mittelbayerische Zeitung: Sonnig war das Wetter am frühen Freitagabend auf dem Bismarckplatz in Regensburg – die Stimmung war es nicht. In über 60 deutschen Städten hatte Fridays for Future zum Demonstrieren aufgerufen. Auch in der Domstadt protestierte ein breites Bündnis aus Klimaschützern vor allem gegen eine Person: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Neben Vertretern von FFF gab es auch einen Redebeitrag von S4F. Aus Mittelbayerische Zeitung, 19. April 2026➚

Ebenfalls auf der Straße: Scientists in Köln und Aachen

