In der Studie mit dem Titel „Energieträger für das Heizen – Preisentwicklung, Klimawirkung, Verfügbarkeit“ setzen sich prominente Wissenschaftler der Scientists for Future kritisch mit den Veränderungen bei den zu erwartenden Heizkosten je nach Energieträger aufgrund der Änderungen durch die Planungen für das aktuelle Gebäudemodernisierungsgesetz auseinander. Auf 23 Seiten beschreiben die Autor:innen Ulrike Jordan, Claudia Kemfert, Jens Clausen, Christoph Gerhards, Michael Huber, Peter Klafka, Thomas Seifert und Uli Spindler die Folgen für Verbraucher und Klima, die das aktuelle Eckpunktepapier des Gebäudemodernisierungsgesetzes haben wird.
„Biotreppe“: Verbrauchern droht Verdreifachung der Heizkosten von 1600 auf 4200 Euro
Laut dem Gesetz des von Ministerin Katherina Reiche geleiteten Bundesministerium für Wirtschaft und Energie soll zukünftig das Heizen mit Biobrennstoffen oder Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen, eine „Biotreppe“ soll die bisherige 65 %-Regel ersetzen. Das, so die Wissenschaftler bringe hohe Zusatzkosten für Mieter und Verbraucher, die diese kaum vermeiden könnten:
„Die Abschaffung der vollständig technologieoffenen 65 %-Regel und ihre Ersetzung durch eine sogenannte „Biotreppe“ ist voraussichtlich mit hohen finanziellen Belastungen für diejenigen verbunden, die sich zu lange an eine Gas- oder Ölheizung binden oder wie Mieter:innen keine Einfluss auf die Art der Heizung haben.“, so die Studie.
Für einen typischen Haushalt könne das Mehrkosten von tausenden Euros pro Jahr bedeuten, eine Verdreifachung der Energiekosten (von 1600 € auf bis zu 4200 €) bis 2040 sei wahrscheinlich. Gleichzeitig sei zu erwarten, dass die „Stromkosten für eine strombetriebene Wärmepumpe bis 2040 aufgrund sinkender Strompreise auf ca. 850 €/a fallen“. Das Heizen mit Wärmepumpe würde also im gleichen Zeitraum um circa 20 % günstiger.
Nur geringe Fortschritte bei Klimawirksamkeit, keine Verfügbarkeit der Rohstoffe
Als weiteren Kritikpunkt an den Plänen der Bundesministerin nennen die Wissenschaftler, dass die mit der „Biotreppe“ möglichen Fortschritte beim Klimaschutz durch den Umstieg auf Bio-Brennstoffe nur klein wären. „Die Neuanschaffung einer Öl- oder Gasheizung führt trotz Biotreppe nicht zu einer vollständigen Dekarbonisierung.“
Außerdem seien nur geringe Mengen grüner Gase bzw. grüner Öle verfügbar, nur etwa „33 % des gesamten Gasbedarfs und etwa 5 % des Gesamtbedarfs an brennbaren Ölen“. Ähnliches gelte für die Verfügbarkeit von Wasserstoff: „Die Nutzung von Wasserstoff im Gebäudebereich sehen die Energiewirtschaftlichen Projektionen des BMWI genauso wie die Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie überhaupt nicht vor. Die Verfügbarkeit entsprechender Mengen ist weder geplant noch wahrscheinlich.“
Kritisches Fazit
Dementsprechend kritisch fällt auch das Fazit der Wissenschaftler aus: „Die Einführung der geplanten „Biotreppe“ ist teuer, die benötigten Energieträger sind absehbar nicht ausreichend verfügbar und entweichende Treibhausgase sind auch bei Bioenergie grundsätzlich unvermeidbar. (…) Für eine kosteneffiziente und klimawirksame Transformation des Wärmesektors spricht daher vieles dafür, den Schwerpunkt auf Effizienzmaßnahmen, Elektrifizierung –insbesondere durch Wärmepumpen – sowie den Ausbau erneuerbarer Stromversorgung zu legen, während knappe erneuerbare Brennstoffe vorrangig in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren eingesetzt werden sollten.“
Das ganze Dokument steht hier zum Download: https://info-de.scientists4future.org/energietraeger-fuer-das-heizen/
Markus Feilner, Pressesprecher Scientists4Future Germany
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