Weniger Daten mehr Klimaschutz – Wie digitale Suffizienz das Internet grüner macht

Die digitale Welt wächst rasant – mit ihr auch der Energieverbrauch von Rechenzentren, Netzwerkinfrastrukturen und Endgeräten. Während Effizienzsteigerungen oft als Lösung propagiert werden, bleibt ein zentraler Aspekt jedoch unberücksichtigt: die digitale Suffizienz. Scientist Dr. Torsten Beyer zeigt in seinem Beitrag, wie die bewusste Reduktion unnötiger Datenmengen und energieintensiver digitaler Prozesse zu einem spürbaren Klimaschutz beitragen können, ohne die Digitalisierung grundsätzlich infrage zu stellen. Denn gerade die exponentiell wachsende Digitalisierung verstärkt die Klimaerhitzung. Als Herausforderung und wahre Ursache identifiziert er den rasant steigenden Datenhunger. Nachhaltige Digitalisierung werde meist auf grüne Rechenzentren und erneuerbare Energien reduziert. Der wachsende weltweite Datenverkehr – insbesondere der enorme Energieverbrauch durch KI – überkompensiere jedoch die Energieeinspareffekte durch effizientere Hardware. Unternehmen und Einzelpersonen seien sich der Klimafolgen ihrer Internetnutzung oft nicht bewusst. „Wir machen uns nicht klar, wie viel Strom wir verbrauchen“, so der Internet-Berater. Daten-Flatrates vermittelten die Illusion, die Nutzungsdauer spiele keine Rolle.

Wäre das Internet ein Land, läge es weltweit beim CO2-Ausstoß auf Platz 6 (2023), heute vermutlich auf Platz 3. Angesichts des rasanten Ausbaus der Künstlichen Intelligenz (KI) könne das Internet vielleicht bis 2030 China überholen und an erster Stelle stehen. „Die KI ist der Brandbeschleuniger für den Stromverbrauch des Internets“, so Beyer. Die Verbraucher bemerkten die Kosten nicht, weil die Internetunternehmen sie noch als kostenlose oder kostengünstige Tester zum Trainieren ihrer Modelle benutzten. Um die großen Rechenzentren dafür zu betreiben, würden neue fossile Kraftwerke gebaut und Atomkraftwerke geplant. Rechenzentren seien laut der UN neben Klimaanlagen und der E-Mobilität inzwischen der stärkste Treiber für den globalen Stromverbrauch. Der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen halte damit nicht Schritt.

Drei einfache Lösungsansätze seien: Hardware länger nutzen, nicht mehr benötigte Daten löschen und überflüssige Datenübertragungen vermeiden.

Referent: Dr. Torsten Beyer (Internet-Beratung, RG Darmstadt)

Zum Vortrag Digitale Suffizienz: https://dr-beyer.de/pdf/S4F_Darmstadt_2025_Torsten_Beyer_Digitale_Suffizienz2025.pdf

Außerdem zum Thema:

Interview, mit Dr. Torsten Beyer in der Evangelischen Zeitung: https://evangelische-zeitung.de/experte-digitalisierung-verstaerkt-klimaerhitzung

Ein Gastbeitrag zum digitalen Datenputz : https://www.how-green-works.de/immobilien/gastbeitraege/gastbeitrag-der-digitalen-datenputz-spart-strom-und-co2-697